« warum ich Renovate Switzerland unterstütze » Von Julia Steinberger, Forscherin und Autorin des IPCC

Unsere Industrienationen haben eine verzerrte Wahrnehmung. Es dauert viele Jahre, bis sich die notorische Realität, die von Wissenschaftlern perfekt beschrieben wird, in politische Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung verwandelt.

Bereits Anfang der 1980er Jahre waren die wissenschaftlichen Daten über die katastrophalen Klimaveränderungen bekannt. Industrie und Politik waren informiert. Sie hatten die Möglichkeit, den Klimawandel zu stoppen oder zumindest einzudämmen. Dies belegt die New York Times: „Losing Earth: The Decade We Almost Stopped Climate Change [1.8.2018][1 .8.2018]“ (Verlorene Erde: Das Jahrzehnt (1980-1990), in dem wir den Klimawandel fast gestoppt haben).

Angesichts dieser organisierten Untätigkeit kann ich nicht schweigen.

Wir haben für jeden Bereich der Gesellschaft Modelle, die zeigen, dass man Lebensstandard und Null-Emissionen miteinander vereinbaren könnte. Aber diese Modelle sind nutzlos, wenn, wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Gutierrez am 4. April sagte: „Einige Regierungen das eine sagen und das andere tun. Mit anderen Worten, sie lügen“. Das gilt auch für die Wärmedämmung von Gebäuden in der Schweiz: Das Bundesamt für Energie stellt selbst fest, dass eine Million Haushalte dringend renoviert werden müssen. Beim derzeitigen Tempo würde es jedoch 100 Jahre dauern, um den gesamten Gebäudebestand zu renovieren.

Wir haben keine Zeit mehr für Debatten und Zögern! Wir müssen uns der Dringlichkeit der Situation wirklich bewusst werden. Und entsprechend handeln.

Die Investitionen, die jetzt getätigt werden müssen, sind bei weitem billiger als die sich anbahnenden Schäden, die bereits da sind. Wirtschaftlich gesehen sind Klimaschutzmaßnahmen unverzichtbar, in der Schweiz und überall sonst auf der Welt.

Also ja. Renovate Switzerland stört. Wie ein Feueralarm ist es unangenehm. Es soll so sein, weil es unendlich viel weniger schlimm ist als das, was der Klimawandel uns bereits antut.

Menschen wie wir alle, Mitbürger haben den Mut, sich der Untätigkeit zu stellen. Sie konfrontieren uns, jeden einzelnen von uns, mit unserer Zukunft. Wir können nicht mehr warten. Wir dürfen nicht länger warten.

Schließen wir uns ihnen an.

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